Zusammenfassung der Berichte aus dem Mgahinga-Nationalpark

GORILLA JOURNAL 1993 -1, S.13-15.
Bericht 13(1.10-31.12.92) - Jahresbilanz 1992

Das Jahr 1992 brachte entscheidende Fortschritte für den Mgahinga Gorilla National Park (MGNP). Die Voraussetzungen für den weiteren, erfolgversprechenden Aufbau des Parks wurden durch ein Abkommen zwischen dem Ministry of Wildlife, Tourism and Antiques, Uganda National Parks und den lokalen Behörden geschaffen.

Endgültig eingestellt wurde die illegale Landnutzung der Zone 2, die damit erfolgreich in den Nationalpark integriert und voll in die Naturschutzarbeit einbezogen wurde. Die Umsiedlung der Bewohner, die Einstellung des Ackerbaus und der Viehhaltung erfolgten dabei freiwillig. Mehr als 1300 Menschen haben die Zone 2 verlassen und erhalten eine Kompensation, die von USAID Ende 92 zugesagt wurde. Im Dezember1992 hat eine Gorillagruppe die Zone 2 erstmals aufgesucht.

Fast sensationell ist, daß der MGNP nunmehr über die höchste Wildhüterdichte pro km2 aller Gorillaschutzprojekte und aller Nationalparks in Uganda verfügt. Die Personalstärke wurde auf 29 Wildhüter (Park Ranger) und 3 Nationalparkaufseher (Park Warden) erhöht. Im Januar 1993 erhielten die Wildhüter auch endlich bessere Waffen. Neben den alten einschüssigen Karabinern aus dem Ersten Weltkrieg sind sie jetzt mit 15 halbautomatischen Maschinengewehren ausgerüstet.

In drei Gebieten des MGNP wurden Wildhüterlager aufgebaut. Das ehemalige Hauptcamp konnte an die neue Nationalparkgrenze - an den Platz der geplanten Nationalparkstation - verlegt und als neues Hauptquartier in Betrieb genommen werden.

Auch die Markierung der nördlichen Nationalparkgrenze machte 1 992 gute Fortschritte. Schneller als erwartet wurden mit Unterstützung der Anwohner bis Ende 1992 56 der geplanten 200 Steinpyramiden fertiggestellt. 25 Maurer, Steinmetze, Arbeiter und Träger arbeiten ständig daran. Die Vordemarkierung der Nationalparkgrenze ist bereits bis auf 700 m an der Grenze nach Rwanda fertiggestellt. Über 51 766 Stecklinge auf mehr als 6 km Länge, gepflanzt von über 250 Anwohnern des Nationalparks, sollen zu einer Hecke heranwachsen.

Das Agroforstprojekt Development Through Conservation (DTC) hat seine Arbeit aufgenommen und seine Aktivität auf die drei angrenzenden Gemeinden (ca. 50 km2) ausgedehnt.

Die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe lieferte v. a. T-Shirts, Aufkleber, Rucksäcke, Pullover, Wasserflaschen für den MGNP und den Bwindi-Nationalpark. Alle diese Gegenstände kamen wohlbehalten und vollzählig an.

Bericht 14 (11 - 31.3.1993)

Die erfreuliche Bilanz des Jahres 1992 wurde durch den Anfang 1993 wieder aufgeflammten Bürgerkrieg in Rwanda leider getrübt. Glücklicherweise war das Projektgebiet von den Kampfhandlungen nicht direkt betroffen. Vor dem Bürgerkrieg flüchteten viele Bauernfamilien nach Uganda. Allein in Kisoro waren es Ende März 1993 ungefähr 8000 Menschen, die auf dem Flugfeld campierten.

Auch der neue, ca. 1 Monat dauernde Waffengang hinterließ Spuren im MGNP: Tretminen und andere Explosivstoffe. Mit Hilfe einer Spezialeinheit der ugandischen Armee gelang es jedoch relativ schnell, diese zu entfernen. Die Suche, an der auch Klaus-Jürgen Sucker teilnahm, erstreckte sich bis auf die Gipfel der drei Vulkane. Gefunden wurden eine Landmine, sechs Handgranaten und neun Artilleriegranaten. Der Park soll jetzt wieder gefahrlos zugänglich sein. Während der Suche nach den Explosivstoffen wurde nicht nur festgestellt, daß keine Wildtiere durch sie verletzt worden waren, man fand erfreulicherweise auch die Spuren von fünf Gorillagruppen.

Während zu Beginn des Projekts Wilderer relativ unwirksame Strafen von umgerechnet etwa 8 DM oder 14 Tagen Gefängnis erhielten wurde im Januar 1993 erstmals eine Strafe von rund 60 DM oder 6 Monaten Gefängnis über einen Wilderer verhängt, der eine Waldantilope getötet hatte. Die Hemmschwelle für Wilderei dürfte damit wesentlich gestiegen sein.

Die weitere Arbeit des Projekts hängt auch von der Einhaltung des Waffenstillstandes im Bürgerkriegsgebiet ab. Auf Seilen der Nationalparkleitung ist man sehr optimistisch: "Hier im MGNP sieht die Lage nunmehr so gut aus, wie schon seit Langem nicht mehr... Nach Kontakten mit höchsten Regierungskreisen besteht jetzt die Aussicht, die Lage einigermaßen stabil erhalten zu können. Sollte nicht erneut etwas passieren, so hoffen wir, den Tourismus, zunächst beschränkt auf Bergbesteigungen, Naturpfadbegehungen (für Fußlahme) und Höhlenbesuche, im dritten Quartal 1993 eröffnen zu können. Der Gorillatourismus könnte dann gegebenenfalls in Abhängigkeit von der Anwesenheit der habituierten Gorillagruppe im Zeitraum Oktober/November 1993 folgen."

Ulrich Karlowski

Start des Gorillatourismus in Uganda

Seit dem 1. April dieses Jahres kann im Bwindi-lmpenetrable-Nationalpark eine Gorillagruppe von Touristen besucht werden. Eine weitere Gorillafamilie wird gegenwärtig noch an die Gegenwart von Menschen gewöhnt uns soll in wenigen Monaten ebenfalls für Besuchergruppen zur Verfügung stehen. Ausgangspunkt für die geführten Touristentouren ist das Tal von Buhoma, buchen muß man aber im Büro von Uganda National Parks in Kampala. In der Startphase, bis September 1993, erhalten täglich nur 4 Personen pro Gruppe Zutritt zu den Tieren, danach maximal 6 Personen. Bis Dezember kostet das sogenannte "Tracking Permit", die Erlaubnis für einen Gorillabesuch, für ausländische Touristen 80 US-$; ab Januar 1994 erhöht sich der Preis auf 120 US-$. Ugander zahlen 20% der Gebühr, Bewohner des unmittelbaren Parkumfelds sogar nur 10%.

Nachforschungen ergaben, daß sich die Habituierung der Gorillagruppen unerwartet schwierig gestaltet. Noch im Februar dieses Jahres reagierte der Silberrücken in einer der beiden Vorzeigegruppen sehr aggressiv auf Besucher. Auch einige Bauern beschwerten sich über die Gorillafamilie, die bereits mehrfach Bananenpflanzungen und Felder zerstörte. Selbst der leitende Wildhüter, Josef Serugo, äußerte Zweifel, ob sich diese Gorillasippe überhaupt für Touristen habituieren läßt. Außerdem fehlt derzeit in Buhoma noch jede touristische Infrastruktur: Es gibt weder einfache Unterkünfte noch einen Zeltplatz mit Latrinen. Eine Übernachtung in der Nähe von Buhoma ist aber unumgänglich, solange die Straße vom Queen- Elisabeth-Nationalpark über Ishasha zum Bwindi-Nationalpark noch nicht ausgebaut ist.

Da Uganda National Parks offen- sichtlich nicht die Initiative ergreift, diese Infrastruktur zu schaffen, versuchen mehrere private Tourismus-Veranstalter, Land in Buhoma anzukaufen und ihre eigenen Zeltplätze oder Unterkünfte zu errichten. Angeblich hat der weltweit größte Naturtourisrnus-Veranstalter Abercrombie & Kent bereits begonnen, am Parkeingang bei Buhoma eine einfache Lodge zu bauen.

Die Situation vor Ort ist gegenwärtig äußerst unübersichtlich und die ursprünglich geplante behutsame Tourismusentwicklung droht außer Kontrolle zugeraten. Deshalb hat die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe die deutschen Naturreise-Veranstalter aufgerufen, eine Petition zu unterzeichnen, die sich gegen den überstürzten Start des Gorillatourismus in Uganda wendet und die verantwortlichen Stellen zu umsichtigem Handeln auffordert (Kasten links). Bisher haben sich der Aktion folgende Veranstalter angeschlossen: DUMA Naturreisen, Hauser Exkursionen, Explorer GmbH sowie die Vermarktungsgemeinschaft Best of Africa (24 Reiseveranstalter, u. a. Karawane Studienreisen, Feria International, Jetstream Reisen, Ikarus Tours, Natur- Studienreisen, Safari aktuell).

Doch es gibt auch gute Nachrichten aus Uganda: Es ist inzwischen beschlossene Sache, daß 20% der Einnahmen aus dem Tourismus im Parkumfeld investiert werden, z. B. für Schulen und medizinische Versorgung. Dem National Park Management Advisory Committee, das dies überwachen soll, gehören neben lokalen Vertretern aus Kirchen, Behörden und der Partei auch Naturschützer an, wie der Leiter des Mgahinga-Gorilla-Nationalparks, Klaus-Jürgen Sucker. Außerdem stellte die Weltbank 1992 Gelder für den Erhalt und das Management der beiden Gorilla-Nationalparks zur Verfügung. Mit Mitteln aus diesem umfangreichen Fonds soll auch die Lebensqualität der Menschen rund um die Schutzgebiete verbessert werden.

Rüdiger Braun