Projekt Mgahinga-Wald

INFORMATIONEN DER BERGGRORILLA UND REGENWALDDIREKTHILFE; JUNI 1991, S. 3 -7.

Der Mgahinga-Wald auf der ugandischen Seite der Virunga-Vulkane liegt in 2600- 4127 m ü.M. Bisher umfaßte das Schutzgebiet 24,4 km2, der neugegründete Nationalpark (s.u.) 34,4 km2. In den letzten 25 Jahren sind etwa 30% des Lebensraumes der Berggorillas kultiviert worden. Dadurch und durch weitere Störungen zogen sich die Tiere von der Uganda-Seite der Virunga-Vulkane zurück, statt früher etwa 60 ständig in Uganda lebender Tiere gab es 1989 nur noch 45, die sich nur zeitweise in Uganda aufhielten.

Bestandsaufnahme der Tierwelt des Mgahinga-Waldes (April-Juni 1990)

Berggorillas: Im Gebiet leben ca. 45 Berggorillas, 8 Gruppen und 3 solitäre Silberrücken, die zwischen 0,8 und 78% der Zeit auf der Uganda-Seite der Vulkane verbringen, vor allem in der Regenzeit; dann wachsen die Bambussprossen, eine besonders begehrte Nahrung. Der Mgahinga-Wald besteht zu 63% aus Bambus.
Weitere Primaten:Goldene Diademmeerkatze, Blaue Diademmeerkatze, Vollbartmeerkatze Elefanten: Mitte August beobachteten Wildhüter 7 Elefanten in einem Gebiet des Waldes, bis zu 25 Elefanten nutzen den Mgahinga-Wald wieder als Lebensraum.
Weitere Großsäuger: Kaffernbüffel, Leopard, Goldkatze, Riesenwaldschwein, Tüpfelhyäne, Schwarzstirnducker, Schirrantilope, Stachelschwein
Kleinsäuger: 2 Fledermausarten, Waldschliefer, 1 Maulwurfart, 1 Spitzmausart, 2 Riesenrattenarten, mehrere Mausarten u.a.
Vögel: Kronenkranich, afrikan. Waldeule, Augur-Bussard, Ruwenzori-Turako, Frankolin, 6 Nektarvogelarten u.a. Reptilien: mehrere Chamäleonarten, Grüne Baumschlange u.a.

Projektberichte von Klaus-Jürgen Sucker für den Mgahinga-Wald
Bericht 1, 15.12.89 - 15.1.90

Die Aufbauphase des Gorillaschutzprojektes begann am 15.12.39. Zu dieser Zeit hatte das Projekt folgende Mitarbeiter: 7 reguläre Wildhüter, 3 Wildhüter in Ausbildung, 1 ugandischen Biologen. Es gab 2 Wildhüterlager mit 3 Hütten. Seit Mai 1989 ist der Besuch von Touristen bei Berggorillas in Uganda unterbunden, um ein umwelt-, art- und sozialverträgliches Tourismuskonzept zu entwickeln und umzusetzen. Im Januar 1990 wurde damit begonnen, interessierte Studenten und Lehrer Im Mgahinga-Wald über die Bedeutung des Schutzgebietes auf zuklären, um das Verständnis dafür bei der Bevölkerung zu fördern.

Bericht 2, 15.1. - 31.3.90

Fortschritte: Mit Rücksicht auf das zuständige Ministerium bekam das Projekt zunächst den Namen 'Mgahinga Forest / Gorilla Garne Reserve Conservation Project". Im März erhielt Klaus-Jürgen Sucker offiziell eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis als Mitarbeiter des Ministeriums. Zusammen mit dem ugandischen "counterpart' Samson Werikhe wurde er Projektleiter.

Die Regierung Ugandas plant, in absehbarer Zeit Tourismus in den Mgahinga-Wald einzuführen mit Schwerpunkt auf den Gorillas. Dazu wurde ein detailliertes Konzept für einen umweltverträglichen Tourismus ausgearbeitet und mit den ugandischen Regierungsstellen ausgehandelt. In diesem Zusammenhang stellte das Projekt auch zusätzliche Wildhüter ein, so daß regelmäßig Patrouillen durchgeführt werden konnten, auch nachts, Auf diese Weise stieg die Zahl der sichergestellten Fallen und illegal eingeschlagenen Bambus- und Holzeinheiten sowie der gefaßten im Wald tätigen Personen deutlich an.

Das Projekt erhielt Unterstützung von verschiedenen Personen in Uganda, die einen sicheren Transport der vom deutschen Tierschutzbund, der BGP und der Bundeswehr gespendeten Ausrüstung in den Mgahinga-Wald gewährleistete. Die Spenden der Bundeswehr waren durch den Einsatz von Karsten Otte und Dr. Reinard Göhner zustandegekommen.

Probleme: Ein sogenanntes "Rescue-Project", das von einem Zöllner geleitet wurde, hatte illegal eine Lichtung im Mgahinga-Wald geschlagen und dort ein Lager mit mehreren Hütten errichtet, mit einer großzügigen Bestechung hatte er sich die Duldung durch die Behörden erkauft. Das offensichtliche Ziel dieses Projekts war das Warten auf Einnahmen aus dem Tourismus. Als dies bekannt wurde, mußte der Vorsitzende eine Strafe für die illegalen Aktivitäten im Wald zahlen.

Bericht 3, 1.4. - 30.6.90

Fortschritte: Ein Ziel des Mgahinga-Projekts ist die Einrichtung eines Nationalparks in diesem Gebiet. Uganda hat bisher 4 Nationalparks: Queen Elizabeth, Lake Mburo, Murchison Falls und Kidepo Valley. Gleichzeitig mit dem Antrag für Mgahinga werden auch Anträge eingereicht, die die Erklärung des Impenetrable Forest und des Ruwenzori-Gebietes zu Nationalparks vorschlagen. Bevor ein Gebiet zum Nationalpark erklärt wird, muß in Uganda eine öffentliche Befragung der ansässigen Bevölkerung durchgeführt werden, nach der sich auch die Festlegung der Grenzen richtet. Diese Befragung wurde abgeschlossen. Danach wurde nur der eigentliche Mgahinga-Wald (Zone 1, 24,4 km2) als Schutzgebiet empfohlen, das Vorfeld (Zone 2, 9,6 km2) als Pufferzone. Die mit Gorillas beschäftigten Biologen dagegen empfahlen die Einbeziehung dieser beiden Zonen und einer dritten als Pufferzone des Nationalparks. Die Zone 2 kann man als "offenes Waldland" bezeichnen, sie enthält noch einzeln stehende Waldbäume und die Nutzung dieses Geländes sehen auch die Einheimischen als illegal an. In dieser Zone entstand die Gorilla-Forschungsarbeit von G. Schaller, sie war vor einigen Jahrzehnten das wichtigste Gorilla-Gebiet Ugandas.

Für ihre erfolgreiche Arbeit (sichergestellte Fallen, Bambus- und Holzbündel, gefaßte illegal tätige Personen usw.) bekommen die Wildhüter eine Prämie, die von der BGP / Berggorilla & Regenwald Direkthilfe bezahlt wird. In der ersten Hälfte des Jahres 1990 hatte das Projekt mehr als 60 offizielle Besucher, in- und ausländische Wissenschaftler, Regierungsvertreter und Angehörige verschiedener Institutionen.

Probleme: Das "Rescue-Projekt" (s. o.) verübte einen bewaffneten Überfall auf die Projektstation, die anwesenden Personen wurden mit Maschinengewehren bedroht. Die Gruppe drang illegal mit einer Videokamera in den Wald ein, über ihre Tätigkeit dort ist nichts bekannt.

Der "Mountains of the Moor-Safari Club' wollte im Gorillagebiet ein Hotel errichten und damit den Lebensraum der Tiere einschränken. Das Projekt, mehrere Personen und Organisationen appellierten an die Regierung, dafür keine Genehmigung zu erteilen.

Bericht 4, 1.7. - 30.9.90

Fortschritte: Alle notwendigen Unterlagen für die Erteilung des Nationalparkstatus für den Mgahinga-Wald wurden Ende Juni der Regierung vorgelegt. Anfang August bekam die Proiektstation von der FAO eine Funkstation. Unterstützung für das Projekt kam außer vom deutschen Tierschutzbund auch von USAID (Geländemotorrad für Samson Werikhe) und vom Geo-Tropenwald Projekt e. V. (5000 DM). Bei einem Besuch besichtigten die deutschen Parlamentarier Dr. Reinhard Göhner (Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) und Klaus Lennartz das Projekt und versprachen, sich um weitere Unterstützung zu bemühen.
3 Wilderer wurden festgenommen, die Tätigkeit von Schmugglern, der Vieheintrieb und der Holz- und Bambuseinschlag wurde stark reduziert.
Der Plan, ein Hotel innerhalb des Waldes zu bauen, wurde gestoppt, dieses Hotel soll jetzt im Vorfeld des geplanten Nationalparks entstehen, der Standort liegt aber noch nicht fest. Der Leiter des Rescue-Projektes, das den MgahingaWald und die dort arbeitenden Naturschützer bedroht hatte, wurde versetzt. Ein Assistent besucht seit Juli im Rahmen eines Edukations-programms Schulen, Kirchen und Gemeinden und klärt die Bevölkerung über die Bedeutung des Waldes auf.

Probleme: In der Trockenzeit von Anfang Juni bis Mitte September kamen bis zu 305 Menschen pro Tag in den Wald, um Trinkwasser zu holen. Diese vielen Menschen stellen eine Störung dar, die durch ein Projekt zur Wasserversorgung der Bevölkerung gelöst werden muß.

Bericht 5, 1.10. - 31.12.90

Fortschritte: Wieder konfiszierten die Wildhüter mehr als 500 Tierfallen und hielten die illegalen Aktivitäten von Menschen im Projektgebiet auf einem niedrigen Niveau. Erstmals seit Jahren beginnen große Säugetiere (darunter Elefanten und Berggorillas), ihren früheren Lebensraum im Vorfeld des Mgahinga-Waldes intensiver wieder zu nutzen. Eine Gorillagruppe von 9 Tieren hielt sich erstmals seit Jahren am Gahinga auf der Uganda-Seite auf und durchstreifte auch die Projektstation.
Folgende Materialien kamen beim Projekt an: 5 Rundhütten, 1 Generator, 1 Kleincomputer/Drucker, 1 Videokamera, Zement, Matratzen, Möbel usw.
Im 2. Halbjahr 1990 kamen mehr als 70 offizielle Besucher in den Mgahinga-Wald.

Im November reiste Klaus-Jürgen Sucker nach Deutschland, um Bericht über seine Tätigkeit zu erstatten und die Arbeit des Projekts für das nächste Jahr vorzubereiten und zu organisieren.

Bericht 6, 1.1. - 31.3.91

Fortschritte: Die Erklärung des Projektgebietes zum Nationalpark steht unmittelbar bevor, aber die Aktivitäten zur Einrichtung des Parks laufen schon. Klaus-Jürgen Sucker wurde zum Nationalparkaufseher ernannt, der Counterpart des Projekts ebenso. Für den Sommer ist geplant, daß Freiwillige des amerikanischen Peace-Corps die Markierung der Nationalpark-Grenzen vornehmen.
Im März gelangte das Projektfahrzeug an seinen Einsatzort. Das Bundesministerium für Verteidigung stellte für die Naturschutzarbeit in Uganda wieder Bundeswehrausrüstung zur Verfügung (u.a. 1 Fahrzeug, Uniformen, 2 Generatoren). Probleme: Der Bürgerkrieg in Rwanda weitete sich Ende Januar in die Nähe der Virunga-Vulkane aus. Weil erfolgreich Kontakt zu den Armeen aufgenommen worden war, bestand aber keine Gefährdung der Wildhüterstation des Mgahinga-Projekts. Trotzdem wurde die Funkstation vorsichtshalber nach Kisoro gebracht und der Kontakt zu den Wildhütern mit Handsprechfunkgeräten aufrechterhalten.

Aktuelle Situation, Juni 1991

Im Mai erhielt das Projektgebiet den Nationalparkstatus. Das vormalige Gorilla- und Wildreservat wurde zum "Mgahinga Gorilla National Park. Der Projektname lautet nunmehr Mgahinga Gorilla National Park Project". Das Kerngebiet des Nationalparks ist der Mgahinga-Wald (24,4 km2) und eine zusätzlich integrierte ehemalige Bergregenwaldfläche von ca. 10 km2 an den unteren Hängen der Vulkane Muhavura, Gahinga und Sabynio. In der neuen Pufferzone des Parks befinden sich 3 Gemeinden, in denen ein Agroforst-Projekt gestartet wird.

Zu den neu anstehenden Aufgaben des Projekts gehören der Bau einer Nationalparkstation, einer Projekt- und Forschungsstation, die Demarkierung der Grenzen mit widerstandsfähigen, dornigen Gehölzen und die Einbeziehung und Rehabilitierung des 10 km2 großen ehemaligen Bergregenwaldgebietes. Daneben laufen die Organisation und Ausrüstung der Wildhüter, die Verwaltung und die Umsetzung des Tourismuskonzepts weiter.

Durch die Ernennung zum Nationalpark wurde Samson Werikhe zum obersten Nationalparkaufseher ernannt, Klaus-Jürgen Sucker steht als Projektleiter, Technischer Berater des Ministeriums für Tourismus und Natur und als Nationalparkaufseher dem Aufbau des Parks zur Verfügung. Für diese Aufgaben wird auch weiterhin die Unterstützung durch die BGP / Berggorilla & Regenwald Direkthilfe benötigt.