Erster großer Erfolg des Berggorilla- und Regenwaldschutzprojektes des Deutschen Tierschutzbundes - Das Gebiet wird zum Nationalpark erklärt

Du und das Tier, 1990, 4, S. 28-29
Hoffnung für Gorillas

Der mutige Schritt des Deutschen Tierschutzbundes, schnell und unbürokratisch die Verantwortung für ein Tier- und Naturschutzprojekt in Uganda zu übernehmen, hat sich gelohnt. Seit über acht Monaten arbeiten der Biologe Klaus Jürgen Sucker und 20 Wildhüter in seinem Auftrag im Mgahinga Bergregenwald im Südwesten Ugandas. Nach langen Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien in Uganda und der im Randbereich des Projektgebietes siedelnden Bevölkerung wird es endlich soweit: Der Mgahinga Bergregenwald wird endgültig zum Nationalpark erklärt werden.

Eine eindrucksvolle Veranstaltung ging dieser Schutzstatusänderung voraus. Am 2. Juni fanden sich mehr als 500 Anwohner des Schutzgebietes und viele Regierungsvertreter zu einer öffentlichen Kundgebung zusammen. Der Minister für Tourismus und Natur und der Leiter der Nationalparkbehörde erläuterten die Vorteile, die ein Nationalpark bedeutet: Verbesserung des Wasserhaushalts der gesamten Region, Erosionsschutz und Einnahmen aus dem Tourismus. Eine Befragung der Anwohner ergab eine überwältigende Zustimmung. Die offizielle Bestätigung wird auf der nächsten Sitzung des ugandischen Parlaments erfolgen.

Als besonders wertvolles Nebenergebnis kann eine Vergrößerung des Projektgebietes verzeichnet werden: Bislang illegal im Waldvorfeld siedelnde Bewohner er- klärten sich bereit, dieses Gebiet zu verlassen. Ihnen wird außerhalb des damit um ca. 10 Quadratkilometer vergrößerten Schutzgebietes neues Land zur Verfügung gestellt. Die Bereitschaft der Bevölkerung bei der Verwirklichung des Nationalparks mitzuhelfen ist enorm. Viele Anwohner des Gebiets begannen bereits unmittelbar nach der Veranstaltung, ihre Bambushütten außerhalb der neuen Grenzen des Nationalparkes neu aufzubauen. Ein beispielloser Vorgang, bei dem die Interessen der einheimischen Bevölkerung und die Notwendigkeit des Schutzes des Regenwaldes und seiner Lebewesen sinnvoll und friedlich gegeneinander abgewogen wurden. Die vormals besiedelten Gebiete können sich jetzt regenerieren. Den Tieren des Regenwaldes, wie z.B. den Berggorillas oder den Waldelefanten wird ein Teil ihres früheren Lebensraumes zurückgegeben.

All dies wurde nur möglich durch den unermüdlichen Einsatz des Deutschen Tierschutzbundes, des Projektleiters und seiner vielen einheimischen Helfer sowie durch die vielen Menschen, die mit Spenden einen direkten Beitrag zur Rettung der Berggorillas leisteten. Auch in der praktischen Tier- und Naturschutzarbeit verbuchten die Mitarbeiter des Projektes erste Erfolge. Der Ausbildungsstand der Wildhüter wurde in nur kurzer Zeit auf einen erstaunlich hohen Stand gebracht. Dies und die jetzt regelmäßig stattfindenden Kontrollen im Bergregenwald führten dazu, daß die Anzahl der von den Wildhütern zerstörten und beschlagnahmten Tierfallen - überwiegend Draht- und Seilschlingen zum Fang von Waldantilopen, Riesenwaldschweinen, Büffeln und Laufvögeln - drastisch angestiegen ist. Im zweiten Quartal 1990 wurden 292 solcher auch für Berggorillakinder tödlichen Fangwerkzeuge gefunden. Im letzten Quartal des Jahres 1989, also bevor der vom Deutschen Tierschutzbund eingesetzte Biologe seine Tätigkeit aufnahm, waren nur 4 solcher Tierfallen beschlagnahmt worden. Die hohe Zahl der jetzt aufgefundenen Fallen beweist aber auch, daß die Wilderei nach wie vor ein großes Problem darstellt und die Patrouillen weiterhin konsequent durchgeführt werden müssen. Dagegen sank die Zahl der im Wald gestellten Schmuggler, die Zahl der illegal im Wald grasenden Ziegen und Rinder sowie die Anzahl der beschlagnahmten Bambus- und Feuerholzeinheiten deutlich. Dies zeigt, daß einige der wesentlichen Ziele des Projekts - Eindämmung der Schmugglertätigkeit, Verhinderung des illegalen Holzeinschlag und ein Stopp der landwirtschaftlichen Nutzung des Waldes durch Vieheintrieb bereits erfolgreich umgesetzt wurden.

Ein Team internationaler Wissenschaftler besuchte im Juni 1990 den Mgahinga Bergregenwald und führte zusammen mit den Mitarbeitern des Projekts eine Bestandsaufnahme der an den Vulkanhängen lebenden Tiere und Pflanzen durch.

Unter anderem wurden ein auf dem Krater des 3470 Meter hohen Mgahinga-Vulkans lebendes Chamäleon, mehrere bislang in diesem Gebiet nicht bekannte Kleinsäuger, z. B. verschiedene Fledermaus- und Nagetierarten, sowie unzählige Baum- und Pflanzenarten erfaßt.

Doch große Anstrengungen sind jedoch erforderlich, um die Berggorillas und ihren Lebensraum vor dem Untergang zu bewahren. Leider entschloß sich die Regierung Ugandas überraschend den Berggorillatourismus wiederaufleben zu lassen. Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land benötigt dringend die hieraus entstehenden Deviseneinnahmen. Damit wurde der Deutsche Tierschutzbund mit einer unerwarteten Herausforderung konfrontiert. In zähen Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien gelang es ein tier- und naturverträgliches Tourismus-Konzept durchzusetzen. Damit ist die Gefahr, daß die Reiseveranstalter selbst über Art und Umfang des Berggorillatourismus bestimmen dürfen, weitgehend gebannt. Die Einführung des Tourismus ist für den Deutschen Tierschutzbund mit weitaus höheren materiellen Aufwendungen als ursprünglich vorgesehen verbunden. Den Touristen muß schließlich "etwas geboten" werden: ein lnformationszentrum, Beschilderung, Wegeausbau, ein Naturlehrpfad, die Organisation regelmäßiger Führungen und vieles mehr. Das bedeutet, daß Hütten, Schilder, Farbe, Schaukästen, Generatoren zur Stromversorgung. lnformationsmaterialien sowie zusätzliche Ausrüstungsgegenstände für die Wildhüter in das abgelegene und unwegsame Gebiet entlang der Virunga-Vulkane gebracht werden müssen. Vorrangig bleibt natürlich die Fortführung der praktischen Tier- und Naturschutzarbeit. Dazu wurde die Zahl der Wildhüter vergrößert. Sie müssen ausgebildet und ausgerüstet werden. Für die erfolgreiche Weiterführung des Projektes als Nationalpark benötigt der Deutsche Tierschutzbund zusätzlich Geld- und Sachmittel. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert daher an alle Tier- und Naturfreunde: Helfen Sie mit, daß der neue Nationalpark nicht dem Massentourismus zum Opfer fällt. Unterstützen Sie den Überlebenskampf der Berggorillas und den Erhalt des Mgahinga Bergregenwaldes mit steuerabzugsfähigen Geldspenden.

bg