Zur Situation der Berggorillas im Südwesten Ugandas im Herbst 1988

INFORMATIONEN DER BERGGORILLA PATENSCHAFT, November 1989, S. 2-4.
Aufruf zur Rettung des Bwindi/Kayonza und Mgahinga Regenwaldbestandes

Das Vorkommen der Berggorillas (Gorilla gorilla beringei) ist beschränkt auf das Gebiet der Virunga Vulkane am Länderdreieck Zaire - Rwanda - Uganda und des Bwindi/Kayonza Waldes oder Impenetrable Forest im Südwesten Ugandas. Über die Situation dieser bedrohten Tierart, von der zusammengenommen noch ca. 600 Tiere existieren, ist seit den Wirren des Bürgerkrieges auf der Staatsseite Ugandas am wenigsten bekannt geworden.

Seit dem diktatorischen Regime Idi Amins und Obotes ging es durch den Bürgerkrieg mit der Aufrechterhaltung der Nationalparks und Naturreservate(teilweise bis zum völligen Zusammenbruch des Naturschutzes) bergab. Noch heute sind zwei der ugandischen Nationalparks (Murchison Falls und Kidepo Valley im Nordwesten Ugandas) nahezu unzugänglich. Im Süden Ugandas hat sich die politische Lage seit nunmehr drei Jahren beruhigt.

Im Impenetrable Forest konnte im Jahr 1986 ein Schutzprojekt seine Arbeit aufnehmen, während auf der nördlichen Seite der Virunga Vulkane in Uganda der Bergregenwald als der zur Zeit gefährdetste Berggorillalebensraum bezeichnet werden kann.

Der Bevölkerungsdruck und die damit verbundenen Folgeerscheinungen, wie z.B. Kultivierung, Brenn- und Nutzholzgewinnung, Vieheintrieb in den Wald, Wilderei, Schmuggel u.a., haben hier erschreckende Spuren hinterlassen.

Mgahinga Forest

An der Nordseite der Virunga Vulkane in Uganda ist der Bergregenwald in Teilen vernichtet worden. An den Vulkanhängen des Mt. Muhavura ist der Regenwald nahezu ganz in Kulturland umgewandelt worden. An den Vulkanberghängen des Mt. Gahinga und des Mt. Sabynio (siehe Karte 2) ist auf der ugandischen Staatsseite noch ein Regenwaldgebiet von ca. 20 qkm Fläche erhalten blieben. In diesen Regenwaldarealen lebten noch in den 50er Jahren 50 bis 80 Berggorillas. Heute kommen hier aufgrund der Aktivitäten des Menschen noch zeitweise bis zu 26 dieser Tiere vor. Diese wandern aus dem Regenwald der Staaten Zaire und Rwanda noch zeitweise in diese Gebiete Ugandas ein.

Der Mgahingawald beherbergt neben den Gorillas auch Rotbüffel, eine nur an den Virunga-Vulkanen vorkommende Diademmeerkatze (Unterart: Cercopithecus mitis kandtii), Waldantilopen und Waldschweine. Die Vegetation besteht aus Baum- und Bambuswald, aus dem letzteren versorgt sich ein Teil der um liegend wohnende Bevölkerung trotz Verbotes mit Brennmaterial.

Die jüngste Entwicklung gibt allerdings Anlaß zur Hoffnung. Ende des Jahres 1988 konnte auf eigene Initiative hin dank der Unterstützung des Projektleiters des Impenetrable Forest Conservation Projektes eine Situationserkundung auf der ugandischen Seite der Virunga Vulkane durchgeführt werden, um Grundlagen für eine erneute Durchführung des Naturschutzes zu erkunden. Zur Zeit versuchen sechs Wildhüter die illegalen Eingriffe in dieses Gebiet zu kontrollieren, Es ist allerdings nach wie vor notwendig, diese Arbeit von Außen zu unterstützen und einen Verantwortlichen für die Naturschutzbelange in diese Region zu entsenden.

Bereits im Sommer 1987 gab es eine vierköpfige Schutzstaffel, die allerdings wegen ihrer schlechten Ausrüstung, Ausbildung und der Nichteinbeziehung der Bevölkerung in die Narurschutz-edukation nur wenig ausrichten konnte. Die Wilderei auch an Berggorillas, Fallenstellerei, Schmuggel durch den Wald, Umwandlung von Regenwaldflächen zu Kulturland und unkontrollierter Tourismus zu den Berggorillas kennzeichnen die Situation und sind noch immer ein aktuelles Problem in diesem Gebiet.

Der Impenetrable Forest befindet sich nur ca. 70km Wegstrecke von den Virunga Vulkanen entfernt. Die ehemals existierende Waldbrücke zwischen eben diesen Gebieten wurde bereits vor Jahrhunderten unterbrochen, so daß zwischen den hier lebenden Tieren gleicher Art kein Gen-Austausch mehr erfolgen kann. Auch in diesem Reservat brach der Naturschutz während des Bürgerkrieges in Uganda völlig zusammen. Mit der Unterstützung des WWF wurde das "Impenetrable Forest Conservation Project" eingerichtet. Geleitet wird es von Dr. Thomas Butynski. Bis zum heutigen Tage konnten einige wichtige Erfolge durch die Arbeit dieses Projektes er zielt werden.

Der Bwindi/Kayonza Wald ist 321 qkm groß, auch hier hat der Bevölkerungsdruck aus den umliegenden Ortschaften in den vergangenen Jahren stark zugenommen und zu Beeinträchtigungen des Waldes in den Randgebieten geführt. Auf der Karte ist zuerkennen, daß der gesamte Wald heute von Siedlungen umgeben ist und von Verbindungsrouten durchschnitten wird.

Der "undurchdringliche Wald" und auch der noch vorhandene Bergregenwald an den Virunga-Vulkanen (Mgahinga Forest) sind ein einzigartiges Refugium für viele bedrohte Tier und Pflanzenarten. Diese Wälder gehören zu der verbliebenen Gesamtwaldfläche von nur 3 Prozent, die heute in Uganda von ehemals 30-prozentiger Waldbedeckung übriggeblieben ist.

Im Impenetrable Forest leben noch 15 bis 2O Waldelefanten. Die letzte Gorillazählung ergab einen höheren Bestand als bis dahin angenommen wurde: Im Wald leben ca300 Berggorillas. Seltene Schmetterlinge, Vögel, Waldantilopen und Primaten sind hier noch zu finden. Z.B. gibt es hier noch den Schwarz-Weißen Stummelaffen (Colobus guereza), mehrere Meerkatzenarten und auch Schimpansen.

Die Wilderei hat in der Vergangenheit vor der Einrichtung des Projektes große Lücken in die Wildbestände gerissen, allerdings ist die Wilderei dank des Einsatzes der hier tätigen 16 Wildhüter seit 1986 unter Kontrolle gebracht worden. Andere Probleme, mit denen dieses Projekt zu kämpfen hat, sind Vieheintrieb, Brennholzgewinnung, Brände, Schmuggel und Goldwäscherei (in den Bächen des Waldes).

Für den Erhalt dieser Wälder werden Ausrüstungen für die Wildhüter, Materialien (wie zum Beispiel Zelte und Lastwagenplanen als wasserfeste Unterstände), Medien für die Weiterbildung, Entlohnungen für den Einsatz weiterer Mitarbeiter, Ferngläser, Funkgeräte, nützliche Solargeräte (wie wiederaufladbare Taschenlampen,) und vieles andere mehr benötigt. Viele diese Güter haben unter den Bedingungen des Regenwaldes eine kürzere Lebensdauer als wir es kennen. Oft kann nicht schnell genug Ersatz herbeigeschafft werden, sodaß elementare Aufgaben der Naturschutzarbeit drohen, zum Erliegen zu kommen.

Für eine wirksame unbürokratische Hilfe bedarf es des persönlichen, materiellen und finanziellen Einsatzes von uns allen.

Dem Erhalt der genannten Bergregenwälder ist der beigefügte Hilfsaufruf gewidmet.

Klaus-Jürgen Sucker

KLAUS-JÜRGEN SUCKER GEHT IN DEN MGAHINGA FOREST

Endlich ist es soweit. Auch das letzte Berg gorilla Habitat, bislang ungeschützt, wird jetzt betreut. Unter der Bezeichnung "Mgahinga Bergregenwaldschutz" hat unser langjähriges Mitglied Klaus-Jürgen Sucker ein neues Projekt ins Leben gerufen. Massgeblich unterstützt wird dieses Projekt vom ››Deutschen Tierschutzbund". Die Berggorilla-Patenschaft e.V. kann bereits 3.000 DM für die Aufbauphase zur Verfügung stellen. Neben dem Artenschutz widmet sich Klaus-Jürgen Sucker seit geraumer Zeit dem weltweiten Erhalt des tropischen Regenwaldes.