Wilderer töten zwei Berggorillas und rauben ein Junges
Mai 2002 - Große Bestürzung löste die Nachricht über den Tod zweier Berggorillaweibchen und den Raub eines ihrer Jungtiere aus. Die beiden Menschenaffen wurden von Wilderern im Parc National des Volcans in Ruanda getötet. Von ihren beiden Kindern ist eines verschwunden, das andere brachten Wildhüter in die Gruppe, aus der die Mütter stammten, zurück. Man hofft, dass es dort eine Adoptivmutter finden wird. Naturschützer sind sehr beunruhigt über den Vorfall, der zeigt, dass es erstmals seit 17 Jahren wieder einen Markt für junge Berggorillas gibt.
Nur noch etwa 660 dieser vom Aussterben bedrohten dritten Gorillaunterart leben entlang der Virunga-Vulkane in Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo sowie im Impenetrable Forest in Uganda. Auch wenn sich der Bestand der sanften Riesen in den vergangenen 10 Jahren, trotz der fast ebenso lange dauernden Bürgerkriege und Flüchtlingsbewegungen im Gebiet der Virunga-Vulkane, um 10 Prozent erhöhte, gerät das Überleben jedes einzelnen Tieres immer noch zur Schicksalsfrage für die gesamte Unterart.
Zwei der wahrscheinlich an dem Überfall beteiligten Wilderer konnten verhaftet werden. Man erhofft sich von ihnen wichtige Informationen über die Auftraggeber und den Aufenthalt des verschwundenen kleinen Berggorillas. "Alles deutet darauf hin, dass die Gorillas getötet wurden, um deren Jungtiere in den illegalen Tierhandel einzuschleusen", sagt Annette Lanjouw, Leiterin des International Gorilla Conservation Program (IGCP). Als Auftraggeber kommt nur ein Privatzoobesitzer in Frage, denn kein Zoo auf der Welt würde einen der streng geschützten Berggorillas kaufen. Da diese Primaten in Gefangenschaft nicht überleben, dürfte das Jungtier, das wahrscheinlich schnell außer Landes geschafft wurde, allerdings nur geringe Überlebenschancen haben.
Die getöteten Tiere stammten aus der "Susa-Gruppe", die bereits seit fast 20 Jahren von Touristen besucht wird. Sie ist bekannt wegen ihrer Friedlichkeit untereinander und wird täglich von Wildhütern beobachtet. Sicherlich hatten die Wilderer ganz bewusst diese Gruppe ausgewählt, da die Tiere keinerlei Argwohn gegenüber Menschen hegen. Naturschützer befürchten, dass von diesem Vorfall das Signal ausgehen könnte, dass es sich wieder lohnt, Berggorillas zu jagen und Jungtiere zum Verkauf anzubieten.
© Ulrich Karlowski