Ungewöhnliche Gorilla-Zwillingsgeburt im Nationalpark Kahuzi-Biega

Juni 2005 - Ein äußerst seltenes Ereignis feiern Artenschützer und einheimische Pygmäen als gutes Omen für die vom Aussterben bedrohten Grauer-Gorillas. Im Kahuzi-Biega Nationalpark in der Demokratische Republik Kongo brachte das Gorillaweibchen "Nabintu" zwei gesunde Nachkommen zur Welt. Es ist erst die zweite bekannte Zwillingsgeburt bei dieser Gorillaunterart im Kahuzi-Biega. Zuletzt kamen hier 2003 Zwillinge zur Welt, beide haben bis heute überlebt.

Meist stellt das gleichzeitige Großziehen von zwei hungrigen Mäulern Gorillamütter allerdings vor nicht zu bewältigende Probleme. Nach Angaben der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe aus Mühlheim an der Ruhr (B&RD), die den Nationalpark seit 20 Jahren unterstützt, überlebten von den bislang bei Berggorillas in Ruanda beobachteten drei Zwillingsgeburten nur die Nachkommen eines Weibchens, die anderen starben meist kurz nach der Geburt. In Zoos gehaltene Gorillas brachten bisher neun Zwillingspaare zur Welt, sechs davon lebend. Damit ist in Gefangenschaft jede 123. Gorillageburt eine Zwillingsgeburt, beim Menschen ist es jede 90.

Auch für die Pygmäen, die in der Nähe des kongolesischen Schutzgebietes leben, ist die gesunde Geburt der Gorilla-Zwillinge ein besonderes Ereignis. Sie sind sich sicher, dass dies nur unter dem Schutz ihrer Ahnen geschehen konnte. Seit der nomadisierende Volksstamm 1975 einen Teil seines angestammten Landes zugunsten des neu gegründeten Nationalparks verlassen musste, sorgen die Pygmäen mit der Opferung von Lämmern für das gute Verhältnis zwischen ihren Vorfahren und den Tieren im Park. Gemäß ihrem Glauben leben die Gorillas in Symbiose mit den Geistern der verstorbenen Verwandten, die im Park begraben sind. Nur wenige Tage nach dem letzten Tieropfer brachte dann "Nabintu" die nach einem berühmten Pygmäen-Fährtenleser und nach einem im vergangenen Jahr verstorbenen Parkwächter "Mushoho" und "Busasa" benannten Zwillinge zur Welt. Mutter "Nabintu" ist scheu und noch kaum an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Sie versteckt sich mit ihrem Nachwuchs meist im dichten Unterholz, beschützt von den anderen 21 Mitgliedern der Gorillagruppe. Die sich eng an ihre Mutter klammernden Kleinen entwickeln sich - so die Beobachtungen der Wildhüter - ausgezeichnet.

Für den Kahuzi-Biega Nationalpark ist dies eine glückliche Zeit. Zum Ende des 20. Jahrhunderts war die Gorilla-Population durch Wilderei um die Hälfte dezimiert und im vergangenen Jahr überfielen marodierende Milizen die Ranger-Station des Parks, stahlen Einrichtungen der Apotheke, der Büros und ein Fahrzeug und verwüsteten sämtliche Gebäude.

Bald werden die Früchte im Park reif sein. Die Trockenzeit beginnt und das Wetter wird wärmer. Dann wandert die Gorillagruppe zu den besten Futterplätzen bei den großen Myrianthus-Bäumen. Angenehme Tage brechen dann für die jungen Zwillinge heran. Und die Ahnen der Pygmäen werden sicher ein waches Auge auf die Entwicklung der beiden Gorilla-Zwillinge haben.

© U. Karlowski