Krieg gegen Affen im Kongo - Rebellen jagen Östliche Flachlandgorillas

August 1999 - "In unseren Nationalparks tobt ein Krieg gegen Wildtiere", sagt Basengezi Katintima, Gouverneur der im Osten der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire) gelegenen Provinz Süd-Kivu. Die Opfer: Elefanten und Östliche Flachlandgorillas (Gorilla gorilla graueri), die größten Menschenaffen der Welt. Diese auch Grauer-Gorilla genannte Unterart kommt nur in den Wäldern im Grenzgebiet zu Uganda, Ruanda und Burundi vor. Die Nationalparkbehörde von Süd-Kivu fürchtet um den Fortbestand der bis zu 2,00 Meter großen und über 180 Kilogramm schweren Menschenaffen, denn sie werden, ebenso wie Elefanten, von Rebellentruppen zur Fleischbeschaffung gejagt.

Allein im Kahuzi-Biega-Nationalpark starben seit April 20 Grauer-Gorillas sowie 17 Elefanten. Insgesamt fielen nach Angaben der Parkleitung seit 1996 von den im Bergteil des Parks einst 260 heimischen Gorillas zwischen 60 und 120 sowie ein Drittel der vormals 400 Waldelefanten den Maschinengewehrsalven zum Opfer. Die tatsächlichen Verlustraten liegen allerdings weitaus höher, denn 90 Prozent des Nationalparks sind für Wildhüter nicht zugänglich. Ausgerechnet die Gebiete, in denen die meisten der etwa 2200 Menschenaffen leben, werden von Hutu-Rebellen aus Ruanda sowie den berüchtigten kongolesischen Mai-Mai-Guerrillakämpfern kontrolliert. "Sie sind straff organisiert und sehr gut bewaffnet", sagt Mankoto Ma Oyisenzoo, der Direktor des Parks, dessen Wildhüter nach der Machtergreifung von Laurant Kabila entwaffnet wurden. Nur unter dem Schutz von Regierungstruppen können sie auf Patrouille gehen. Einzige Nabelschnur zum Ausland ist die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, die Entwicklungshilfeorganisation des Bundes, die zwar ihre Mitarbeiter abgezogen hat, aber weiterhin die Gehälter der Wildhüter zahlt sowie die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (B&RD) aus Stuttgart. Die Organisation schickt Wildhüterausrüstung in den Kongo.

Der etwa 6000 qkm großen Kahuzi-Biega-Nationalpark ist die Wiege des Gorilla-Tourismus. Hier hatte die Forscherin Dian Fossey zum ersten Mal Kontakt mit den mächtigen Affen. Über 3400 Touristen besuchten noch 1990 vier an Menschen gewöhnte Gorillafamilien und spülten fast 1 Million Mark in das bettelarme Land. Selbst Bill Gates kam 1993 hierhin, er gab seinem Führer ein Trinkgeld in Höhe von 400 Dollar. 1995 kamen nur noch 300 Besucher, heute kommt niemand mehr. Zwölf der 20 in den letzten Monaten erschossenen Gorillas waren den Kontakt mit Menschen gewohnt und so besonders leichte Opfer. "Die Reste der dezimierten Familien ziehen sich immer weiter in den Wald zurück. Sie wollen keine Menschen mehr sehen", erklärt die Zoologin Dr. Angela Meder von der B&RD.

Vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges im September 1996, der zur Entmachtung des Diktators Mobuto Sese Seko führte, wurde die Population der streng geschützten Grauer-Gorillas auf etwa 10 000 Exemplare geschätzt. Wie viele von ihnen bis heute überlebt haben, ist unbekannt. "Wenn nicht rasch Hilfe aus den Industrienationen zur Befriedung der Region und zum Wiederaufbau der Nationalparkinfrastruktur eintrifft, werden die Grauer-Gorillas bald das Schicksal ihrer Verwandten, der Berggorillas, teilen", meint Angela Meder. "Von ihnen gibt es heute nur noch eine kleine Restpopulation von vielleicht 600 Tieren."

© Ulrich Karlowski & Ulrike Kirsch