Mai 2006 - Gibt es Erfolge im Gorillaschutz?

Zum vierten Mal werden die Berggorillas im Bwindi Impenetrable Forest in Uganda gezählt Regelmäßige Zählungen helfen, die Populationsentwicklung der bedrohten Art besser zu verstehen und den Erfolg der Schutzmaßnahmen zu prüfen.

Gorilla
Junger Berggorilla
Im Bwindi Impenetrable Forest im südwestlichen Uganda lebt etwa die Hälfte der vom Aussterben bedrohten Berggorillas, die andere Hälfte lebt im Gebiet der Virunga-Vulkane. Die beiden jeweils 300 bis 400 Tiere großen Populationen haben keine Verbindung zueinander und zumindest die Bwindi Population wird etwa alle fünf Jahre erfasst, um den Erfolg der Schutzbemühungen für die Großaffen zu prüfen. Bei der letzten Zählung 2002 wurde eine leichte Zunahme auf damals 320 Berggorillas festgestellt.

Der Name Bwindi Impenetrable Forest stammt vom dichten und fast undurchdringlichen Unterholz dieses Waldes. Misteln und Orchideen winden sich um Baumriesen, und wo das Sonnenlicht durchdringt, erblühen die farbigen Blätter der Heliconia. Niederschläge an rund 300 Tagen im Jahr sorgen für eine extrem feuchte, ja dampfige Atmosphäre. Die Stimmung ist märchenhaft und Ehrfurcht gebietend.

Kreuz und quer auf den Spuren der Gorillas

Am frühen Morgen machen sich Spurenleser und Gruppenleiter für die Zählung auf den Weg. Systematisch durchkämmen sie den Park von Südost nach Nordwest. Alastair McNeilage, Leiter des Institute of Tropical Forest Conservation in Bwindi, beschreibt das genaue Vorgehen bei der Zählung:

"Wir haben den Park in einzelne Sektoren von jeweils etwa zehn Quadratkilometern aufgeteilt. In deren Zentren liegen Zeltplätze, die die Ausgangspunkte für die Bestandszählung sind. Die einzelnen Teams durchsuchen jeden Sektor kreuz und quer. Die Fährtenleser achten darauf, dass die Abstände ihrer Routen durch den jeweiligen Sektor nicht weiter als 500 bis 700 Meter voneinander entfernt sind. So schließen wir aus, dass sich eine Gorillagruppe dazwischen unbemerkt aufhält. Sobald die Fährtenleser eine frische, das heißt eine weniger als eine Woche alte Gorillaspur entdeckt haben, folgen sie ihr, bis sie die Schlafnester der Gorillagruppe von drei aufeinander folgenden Nächten lokalisiert haben. Sie halten dann die Anzahl der Nester fest, die Größe der darin gefundenen Kothaufen und den Fund von Silberhaaren, so dass sich ein genaues Bild der Zusammensetzung der Gruppe nach Alter und Geschlecht ergibt. Wir wollen möglichst präzise Ergebnisse. Die Spurenleser überprüfen daher jeweils drei Übernachtungsplätze einer einzelnen Gorillagruppe, denn es passiert leicht, dass einzelne Schlafnester oder Kothaufen übersehen werden. Die Teams angrenzender Sektoren treffen sich am Abend auf den Zeltplätzen, so dass die Bewegungen der Teams koordiniert und die Ergebnisse der Suche verglichen werden können. Auf diese Weise können wir Doppelterfassungen vermeiden."

Gorillas im Nest

Gorillas im Nest
Berggorillas in Uganda
© Ulrich Karlowski
Jeder Berggorilla errichtet seine eigene Schlafstelle, nur Säuglinge schlafen im Nest ihrer Mütter. Erst im Alter von vier oder fünf Jahren geht es ins eigene Nest. Jeden Abend wird ein neues Nest gebaut, selbst wenn der Schlafplatz nur wenige Meter von dem der vorigen Nacht entfernt liegt. Die Nester gruppieren sich zentral um das Nest des anführenden Silberrückens. So bilden Schlafnester eine äußerst zuverlässige Quelle für die Erfassung der Größe einer Gruppe. Anhand zurückgelassener Kothaufen lässt sich feststellen, ob Jungtiere zusammen mit ihren Müttern im Nest lagen. Die Durchmesser des Dungs erlauben erfahrenen Fährtenlesern außerdem Rückschlüsse auf das Alter der Tiere.

Alle Bereiche des Parks sollen von der Zählung erfasst werden. Pro Sektor nimmt man sich maximal drei Tage Zeit. Dabei werden auch Areale des Parks durchkämmt, in denen sich Berggorillas erfahrungsgemäß nur selten oder nie aufhalten, denn man erhofft sich von dort Daten über andere Säugetiere, über die Vegetation und über den Einfluss des Menschen.

McNeilage: "Die Ranger sind mit topografischem Kartenmaterial ausgestattet, verfügen über GPS und Höhenmesser. So können sie ihre Bewegungen, die aufgefundenen Gorillaspuren und die Positionen der Schlafnester akribisch aufzeichnen. Aufgefundene Nester werden mit abgeschnittenen Zweigen markiert, so dass wir eine Gruppe nicht zweimal erfassen und zwei annähernd gleich große Gruppen voneinander unterscheiden zu können."

Hilfe aus Deutschland

Die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (B&RD) wird sich mit einer Spendenaktion für die Gorillabestandsaufnahme einsetzen.
Quelle: B&RD